Gesundheit

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Gesundheitsindikatoren & Lebenserwartung

Der Gesundheitszustand der ghanaischen Bevölkerung konnte sich seit den 1980er Jahren merklich verbessern. So stieg in diesem Zeitraum der Gesundheits-Index im Human Development Report von 0.522 auf 0.703 an. Die Lebenserwartung bei Geburt stieg bis zum Jahr 2016 auf fast 64 Jahre an. Bis zum Jahr 2024 stieg die Lebenserwartung sogar weiter auf durchschnittlich 67 Jahre an, wobei die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Gesundheitssystem diesen Anstieg zuletzt verlangsamten. Laut WHO liegt die Sterberate mit 250 pro 1.000 bei Männern und 217 bei Frauen deutlich unter dem regionalen Durchschnitt, aber immer noch erheblich über dem globalen Durchschnitt von 190 bei Männern und 129 bei Frauen. Leichte Fortschritte konnte man bei der Müttersterblichkeit verzeichnen. Auch bei der Bekämpfung der Tuberkulose konnte man im Vergleich zur gesamten westafrikanischen Region beachtliche Erfolge verzeichnen, in welcher dreimal mehr Fälle auftraten. Dieser leicht positive Trend gründeten sich auf staatliche Ausgaben von über vier Prozent des BIP zugunsten des Gesundheitssektors, aber auch auf Privatinitiativen, die zumeist aus dem westlichen Ausland, kirchlichen und islamischen Organisationen aus dem In- und Ausland stammten. 

Krebsvorsorge & medizinische Fortbildung

So unterstützen beispielsweise die German Rotary Volunteer Doctors (GRVD) ein Sreening-Programm auf das Zervixkarzinom/Gebärmutterhalskrebs in Ghana. Obwohl Brustkrebs in Ghana mittlerweile sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der absoluten Sterblichkeit an erster Stelle steht, bleibt die Mortalitätsrate beim Zervixkarzinom aufgrund oft zu spät erfolgender Diagnosen kritisch hoch, was an der Prävalenz (=Verbreitung) der HPV-Infektion von über 10% abzulesen war. Ein wesentlicher Teil des Screening-Programms besteht in der praktischen Aus- und Fortbildung ghanaischer Ärzte in Zytologie/Zellenlehre & Zellbiologie, hier insbesondere in Kolposkopie/Scheidenspiegelung zur Krebsfrüherkennung. Im Jahr 2024 wurde jedoch das nationale Impfprogramm gegen HPV massiv ausgeweitet, um die hohen Raten an Gebärmutterhalskrebs langfristig zu senken.

HIV-Prävalenz & Bekämpfung

Die Prävalenz bei AIDS liegt dagegen unter zwei Prozent, ein Wert, den sowohl die Regierung als auch internationale Organisationen als Erfolg im Kampf gegen AIDS verbuchen. 

Struktureller Mangel & Brain-Drain

In Ghana existieren nur wenige medizinische Fakultäten. Jährlich schließen rund 250 Ghanaer ihr Medizinstudium ab. Obwohl das Land im Grunde über ausreichende Kapazitäten für die Ausbildung von Ärzten, Krankenschwestern, Pflegern und sonstigem medizinischen Personal verfügt, besteht ein struktureller Mangel. Denn auch Ghana leidet unter dem ‚Brain-Drain‘ qualifizierten Personals. Bis 2026 verschärfte sich der Brain-Drain durch die ökonomische Instabilität des Landes sogar, da medizinisches Personal vermehrt in das Vereinigte Königreich und nach Nordeuropa abwanderte. Dieses Problem wird zumindest teilweise von ausländischen Ärzten aus Asien und Kuba kompensiert. Auch die Arbeit der German Rotary Volunteer Doctors lindert den ‚Brain Drain‘ zumindest ein bisschen. 

Bedrohungspotenzial durch Ebola 

Die Verbreitung des Ebola-Virus ist in der westafrikanischen Region eingedämmt. In den ehemals am schwersten betroffenen Gebieten Guinea, Liberia und Sierra Leone, wo die hoch ansteckende Krankheit im März 2014 ausbrach, tauchen aber noch immer vereinzelt Fälle auf. Die Gesundheitsminister der Region sind sich einig, dass die Epidemie, die ein bis dato nie dagewesenes Ausmaß angenommen hatte, nur über vorbeugende Maßnahmen hinsichtlich zukünftiger Ausbrüche dieser hoch infektiösen Krankheit zu bekämpfen sei.

Dabei wäre im Kampf gegen das Virus nur eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Staaten innerhalb der ECOWAS erfolgreich. Das würde aber eine politisch und institutionell engere Kooperation als bisher voraussetzen. Noch ist Ebola nicht überall vollends unter Kontrolle, auch wenn Ghana bislang verschont blieb. Vereinzelte Fälle in anderen afrikanischen Staaten, wie in der Demokratischen Republik Kongo 2018, veranlassten die ghanaische Regierung dazu, die ghanaische Öffentlichkeit erneut vor den Gefahren dieser Krankheit zu warnen. Durch die 2024 etablierte «African Medicines Agency» (AMA) wurde schliesslich die grenzüberschreitende Überwachung von Infektionskrankheiten wie Ebola bis 2026 strukturell gestärkt.

Neues Bedrohungspotenzial durch COVID-19 

Die COVID-19 Pandemie, die zu Beginn des Jahres 2020 im chinesischen Wuhan ausbrach, weitete sich innerhalb weniger Wochen zu einer globalen Krise aus. Nachdem sich im März 2020 das Epizentrum nach Europa verlagert hatte und nur mit kurzer Verzögerung auch Nordamerika  heimsuchte, schien sich die Pandemie auch in Afrika zu verbreiten. Die zu Beginn meist zögerliche Haltung afrikanischer Regierungen wich binnen weniger Tage radikalen Maßnahmen, die im wesentlichen die Suche nach Kontaktpersonen zu Infizierten und die Schließungen der Landesgrenzen und der Flughäfen beinhaltete. Mitte April 2020 verlängerte Präsident Akufo-Addo die bestehenden radikalen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus um weitere zwei Wochen. Nach Ablauf dieser Phase verlängerte der Präsident Ende April diese Maßnahme erneut. Ende Mai 2020 kündigte der Präsident in einer Fernsehansprache die schrittweise Zurücknahme der Maßnahmen an. obwohl die Infektionsfälle weiter leicht anstiegen. 

Anfang Juli 2020 begab sich Präsident Akufo-Addo in Selbstisolation nachdem ein Mitarbeiter aus seinem engeren Umfeld positiv auf COVID-19 getestet worden war. In seiner 15. Rede an die Nation (16. August 2020) gab der Präsident weitere Lockerungen bekannt und stellte zudem in Aussicht, am 1. Sept. 2020 wieder den internationalen Flugverkehr aufnehmen zu mögen, sollte sich die Situation weiterhin entspannen. In seiner 16. Rede an die Nation (30. August 2020) gab er grünes Licht zur Wiedereröffnung des internationalen Flughafens in Accra am 1. September 2020. Dies war jedoch mit erheblichen Auflagen verbunden. So mussten Einreisende einen negativen COVID-19 Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden war. Ansonsten mussten sie US$ 150 für einen Test am Flughafen zahlen. Fiel dieser positiv aus, wurden die Betroffenen in ein eigens hergerichtetes Krankenhaus gebracht, an welcher Stelle sie in Quarantäne verblieben. Die Wasser- und Landgrenzen blieben dagegen bis auf weiteres geschlossen. 

Nach der optimistisch klingenden Rede Mitte Oktober, in der der Präsident jedoch die 72-Stunden Regelung eines COVID-19 Tests bekräftigte, wandte er sich schon am 08. November erneut an das ghanaische Volk und beklagte die zunehmende Leichtfertigkeit, die erneut zu steigenden Zahlen geführt hätten. Ghana war eines der Länder, das relativ früh drastische Maßnahmen ergriffen hatte, nachdem die ersten Fälle in den Ballungszentren Accra, Tema und Kumasi bekannt geworden waren.

Solche Maßnahmen wie Verbote von Gottesdiensten und Trauerfeiern hatten insbesondere die Ballungszentren getroffen. Dennoch verbreitete sich das Virus, und innerhalb einer kurzen Zeitspanne stieg die Zahl seit Mitte März 2020 kontinuierlich auf inzwischen mehr als 48.000 bestätigte Fälle an (Anfang Nov. 2020). Die Zahl der Todesfälle nahm dagegen nur sehr langsam zu und lag zu diesem Zeitpunkt im unteren dreistelligen Bereich bei etwas 320. Angesichts der Pandemie genehmigte der IWF Mitte April einen Betrag über fast eine Milliarde US-$ aus dem Sonderposten «Rapid Credit Facility» zur Bekämpfung des COVID-19 Virus in Ghana. Bis zum offiziellen Ende des globalen Gesundheitsnotstands und darüber hinaus verzeichnete Ghana insgesamt über 172.000 Infektionen und rund 1.460 Todesfälle. Die Impfquote lag Anfang 2026 bei etwa 45 % der Zielbevölkerung, wobei das Land 2024 mit dem Aufbau einer eigenen Impfstoffproduktion (DEK Vaccines) begann.

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